Matt Vance (Foto: Walter Keller)
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Matt Vance bleibt Headcoach der Legionäre
„Als Vize will ich nicht aufhören“

Guggenberger Legionäre Logo

Holger Schellkopf / 06. Nov.

Team-News

Wunschkandidat und Legionäre-Legende Vance ist auch in der kommenden Saison als Headcoach der Guggenberger Legionäre im Einsatz. Arbeit an der neuen Mannschaft läuft bereits.

Selten ein Schaden ohne Nutzen sagt ein altes deutsches Sprichwort. Die Final-Niederlage der Guggenberger Legionäre im Rennen um die Deutsche Meisterschaft ist ein Beleg dafür, denn im Nachhinein betrachtet hat sie auch ihr Gutes. Sie hat zumindest in erheblichem Maß dazu beigetragen, dass Matt Vance den Guggenberger Legionären noch mindestens ein weiteres Jahr als Headcoach erhalten bleibt. „Als Vizemeister will ich nicht aufhören“, sagt Vance und setzt damit auch gleich die Marke für die kommende Saison.

Er will die Meisterschaft wieder nach Regensburg holen. „Das Ziel ist ganz klar die Meisterschaft“, sagt Matt Vance ohne Zögern. Der Vizetitel im Vorjahr war für ihn kein Abschluss, sondern ein Auftakt. Durch den Finaleinzug werden die Legionäre auch wieder beim Champions Cup auf europäischer Bühne mitmischen. „Wir dürfen jetzt quasi um zwei Titel spielen, und darauf freuen wir uns besonders.“

In Regensburg wird der Vizemeistertitel nicht als Erfolg gefeiert, sondern als Auftrag verstanden. Mit einer klaren Meisterschaftsambition, einer disziplinierten Kaderstrategie und dem Fundament eines einzigartigen Teamgeistes werden die Weichen für einen Angriff auf die Spitze gestellt – national wie international.

Wunschkandidat von Fans und Führung

Aber auch ohne Meisterschaft ist Vance und dem Team zusammen mit General Manager Tomas Bison in der vergangenen Saison mehr gelungen als der ohnehin schon beachtliche Finaleinzug. Die Mannschaft hat in vielen Spielen begeistert, sie hat vor allem die Herzen der Fans gewonnen. Sichtbare Zeichen dafür waren beispielsweise die großen Legionäre-Gruppen bei den Playoff-Auswärtsspielen in Hamburg und in Heidenheim.

Vance ist der Wunschkandidat der Fans, er ist aber auch der Wunschkandidat der Vereinsführung. „Matt ist die perfekte Besetzung“, sagt Armin Zimmermann. „Er bringt als Headcoach all das mit, was ihn schon als Spieler ausgezeichnet hat. Sportliche Qualität, viel Herz, Empathie und Teamgeist, aber ebenso Entschlossenheit, Ehrgeiz und Siegeswillen. Wir sind sehr froh darüber, dass er weiter unser Headcoach ist.“ Zimmermann fügt ein großes Dankeschön insbesondere an Matts Ehefrau Minnie hinzu: „Wir wissen, dass dies ohne die Zustimmung und großartige Unterstützung seiner Familie nicht möglich wäre.“

Die Teamchemie muss stimmen

Matt Vance, mit Unterstützung von Assistant Devon Ramirez, und Bison haben sich derweil längst an die Arbeit für die kommende Saison gemacht. Es geht darum, wieder ein Team zusammenzustellen, dass diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Im vergangenen Jahr ist dies sehr gut gelungen. Zusammenhalt, Arbeitseinstellung und eine Mannschaft, die bereit ist, in jedem Training, in jedem Spiel ihren Teil beizutragen, sind für Vance entscheidend. Ohne gute Teamchemie und die richtige Mischung aus Arbeit und Spaß könne eine Mannschaft nicht dauerhaft erfolgreich sein.

Bei den Neuzugängen hat die sportliche Führung ein sehr gutes Händchen bewiesen. Morgan McCullough gehörte von Beginn an zu den Top-Spielern der Liga. Rückkehrer Christian Pedrol holte sich die Pitcher-der-Woche-Auszeichnungen gleich im Paket ab. Die Homerun-Bälle des für den MVP Süd nominierten Simon Bäumer werden zum Teil bis heute in den Wäldern rund um deutsche Baseball-Stadien gesucht. Der junge Pitcher Nicolas Antoine gehörte auf dem Feld zu den Leistungsträgern und wurde auch als Nachwuchscoach sehr schnell zu einem sehr geschätzten Mitglied der #LegionaereFamily. Letzteres gilt ebenso für Chikara Igami. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der sympathische Japaner mit den Top-Pitchern der Liga auf der Ausländer-Position zu selten wirklich auf Augenhöhe agierte.

Beständigkeit und Erneuerung

Doch Vance weiß: Erfolg entsteht nicht auf dem Papier. Der Schlüssel liegt in der Balance zwischen Beständigkeit und Erneuerung. Der Trainer spricht von einer „Core Gruppe“, von Spielern, die längst zu Gesichtern des Regensburger Baseballs geworden sind. Spieler wie Alex Schmidt, Christian Pedrol, Nino Sacasa oder Elias von Garßen sollen das Rückgrat eines Teams bilden, das sich stetig weiterentwickelt.

„Es ist extrem wichtig, diese Gruppe zusammenzuhalten“, sagt Vance. Gleichzeitig öffnet er die Tür für die nächste Generation. Junge Regensburger Talente sollen früh Verantwortung übernehmen – vor allem zu Saisonbeginn, wenn die internationale Doppelbelastung noch in der Ferne liegt. „Langfristig brauchen sie diese Erfahrung auf höchstem Niveau.“

Auch General Manager Tomas Bison sieht darin den richtigen Weg. „Matt und das Team haben eine besondere Atmosphäre geschaffen“, sagt er. „Die Synergie hat funktioniert – und unser Fokus liegt jetzt darauf, die Teamchemie zu bewahren und lokale Spieler Schritt für Schritt nach oben zu bringen.“

Der Zusammenhalt, das spürt man, ist für beide mehr als eine Floskel. Nach der knappen Final-Niederlage im vergangenen Jahr habe sich die Mannschaft sofort gegenseitig aufgefangen, erinnert sich Vance. „Das war das Besondere an dieser Gruppe – sie ist zu einer Familie geworden.“

Gezielte Verstärkungen im Blick

Dieses Fundament soll nun auch die Basis für den nächsten Schritt bilden. Die personellen Weichen dafür werden mit Bedacht gestellt. Die Legionäre sind gezwungen, bei Neuzugängen selektiv vorzugehen. Drei bis vier Verstärkungen sollen es werden. Besonderer Fokus liegt dort, wo der Bedarf am größten ist: im Pitching. „Wir müssen sicherstellen, dass unser Staff beide Wettbewerbe stemmen kann“, sagt Vance.

Gleichzeitig werden im kommenden Jahr auch bekannte Gesichter fehlen. So hat beispielsweise der langjährige Nationalspieler Pascal Amon seine trotz einiger schwerer Verletzungen sehr erfolgreiche Karriere beendet. Marlon Jimenez zieht es indes zu einem anderen Verein. Die Lücken eröffnen zugleich Chancen für Nachwuchsspieler. Die Herausforderung liegt in der Balance zwischen Erfahrung und Entwicklung, zwischen Stabilität und frischem Impuls. Ob es gelingen wird, Morgan McCullough wieder nach Regensburg zu holen, muss sich erst zeigen. Der amerikanische Ausnahme-Akteur fühlte sich in der Legionäre-Familie aber sehr wohl. Das ist zumindest eine Art Standort-Vorteil.

Die Vorbereitung auf die lange Saison beginnt für die Mannschaft im Januar. Bis dahin liegt die Verantwortung bei den Spielern selbst. Nach sechs intensiven Monaten hat Vance der Mannschaft eine bewusste Pause verordnet. „Jeder muss an seiner Fitness arbeiten und seinen Körper wieder bereit machen.“ Der Coach setzt auf Eigenverantwortung – ein Konzept, das bei Vance offenbar funktioniert.

Tomas Bison blickt optimistisch nach vorn. „Wir wissen genau, welche Schritte wir gehen müssen, um noch wettbewerbsfähiger zu sein“, sagt er. Die Vision ist klar umrissen: Teamchemie bewahren, lokale Talente fördern, gezielt verstärken – und endlich den letzten Schritt gehen.